Mittwoch, 14. September 2016

Krümel und die Tiere [Familienmomente]

Es gibt so viele Tage, an denen kommt man echt zu nix. Nada. Niente. Nüscht.
Und das obwohl doch sooo viel zu tun wäre.
Da krepelt man mit dem täglich anfallenden Haushalt rum und ist froh, den so irgendwie hinbekommen zu haben, dabei müsste doch längst mal wieder der Herd gründlich gereinigt und der Kleiderschrank ausgemistet werden, mal wieder die Wege gefegt und Sandberge aufgeschüttet werden, Ernteerzeugnisse eingekocht und eingemacht werden, ach und im Keller ist auch keinerlei Ordnung drin und das ganze Werkzeug ist auch noch unsortiert ... ihr kennt das sicherlich auch, so jeder in seinen persönlichen Nuancen und Abstufungen.

Worauf ich hinaus will: ein Haushalt macht Arbeit, vor allem mit altem (Bau-) Haus und Garten.
Aber: ich würde all das nicht mehr missen wollen, denn es bringt so viel wunderschönes und schlicht und weg unbezahlbares mit sich, das all die Arbeit und Mühe und noch viel mehr innerhalb von Sekundenbruchteilen wieder wett macht?

Am wertvollsten finde ich es, dem Krümelchen ein Aufwachsen nah der Natur und umgeben von Tieren zu ermöglichen. Krümel und die Tiere ... das ist wirklich ein Thema für sich und für uns ein immer wieder herzerwärmender Familienmoment.


 Es gibt ja immer wieder Leute, die vor der Geburt ihres ersten Kindes ihre Haustiere weggeben, aus Angst vor Allergien oder Eifersucht seitens des Tieres oder eben wegen allgemein angenommener Inkompatibilität von haarendem Haustier und Neugeborenem im Haushalt. Und um das vorweg zu nehmen: das ist auch eine Entscheidung, die jeder selbst und sicherlich nicht leichtfertig trifft.

Solche Überlegungen gab es bei uns nie. Madame Katz war zu dem Zeitpunkt von Krümelchens Geburt knappe eineinhalb Jahre bei uns, von Kätzchenzeit an. Wir kannten sie schon damals sehr gut und waren uns sicher, dass sie mit dem Baby kein Problem haben würde. Auch haben wir ihr ihr nicht strikt verboten sich im künftigen Kinderzimmer aufzuhalten.

Madame Katz hielt sich immer gern an den Plätzen auf, die für Krümelchen bestimmt waren: die Spieldecke, das Beistellbett, die Wickelauflage. In haarigen Zeiten des Feelwechsels kam dann schnell mal die Fusselbürste zum Einsatz und gut ist's. Die Panik vor Tierhaaren, die mit dem Baby in Kontakt kommen, konnten wir nie teilen. Der Erfolg gibt uns Recht: Krümelchen hat keinerlei Allergien entwickelt und ist auch nie an einem Katzenhaar erstickt, die Katze hat sich nie auf ihr Gesicht gesetzt und auch nicht mit Eifersucht und Niedertracht reagiert - Schreckensszenarien aus dem Internet konnten wir für uns persönlich also abhaken. In den ersten Lebensmonaten hat die Katze eher weniger Notiz genommen, mehr als von oben herab beobachten war da nicht. Erst ab dem Moment, indem das Krümelchen selbst anfing, sich für das haarige Wesen zu interessieren. Von da an gab es kein Halten mehr: Es war der Beginn einer besonderen Freundschaft.

Im täglichen Umgang mit Madame Katz hat das Krümelchen unheimlich viel gelernt. Von sich aus hat sie ja eh schon ein sehr sensibles und empfindsames Wesen. Ihr Umgang mit anderen Lebewesen ist stets sehr vorsichtig und liebevoll. Kuscheln und streicheln stehen hoch im Kurs, es darf sich aber auch gerne mal spielerisch gejagt werden. Dabei erkennt sie aber auch sehr schnell die Körpersprache der Katze, wenn die so langsam keine Lust mehr auf Spielen hat und lässt sie dann in Ruhe. Natürlich wurde diese Grenze auch schon einige Male überschritten, doch zum Glück - und das wussten wir ja auch - ist Madame Katz ein wundervolles und liebes Tier, das auch in Abwehrhaltung keine Krallen einsetzt. So kam es bisher nie zu Kratzern oder anderen Verletzungen auf beiden Seiten ;)

Beliebt ist das Krümelchen auch bei anderen Katzen, die sonst eher Reißaus nehmen sobald sich ein Kind nähert. Ich freue mich da immer wieder sehr drüber.
Aber nicht nur Katzen stehen hoch im Kurs ...



Auch für Hunde hat das Krümelchen ein Herz - wie hier der Mops eines Kumpels, den sie zum Schreien gut imitieren kann. Mit dem Streicheln ist sie da aber um einiges zurückhaltender, der Respekt ist trotz aller Begeisterung im Vordergrund. Nachdem sie sich einige Zeit lang immer sehr stark über das Bellen erschreckt und geweint hat (einmal ist sie vor Schreck sogar umgefallen, das hat sie mir dann monatelang jeden Morgen wieder erzählt ;) ), habe ich ihr erzählt, dass die Hunde ihr nur "Hallo" sagen damit. Jetzt bellt das höfliche Geschöpf immer einfach zurück.

 Neuste Familienmitglieder sind die Stallkaninchen und auch diese werden geliebt und sehr gern gefüttert und umsorgt.
Die Kaninchen lassen sich nur sehr ungern anfassen, was auch ok ist, schließlich halten wir sie nicht als Kuscheltiere (was sowieso nicht ihrem Wesen entspricht).

Doch sobald das Krümelchen den Stall betritt wird sogar das mitgebrachte Futter links liegen gelassen. Es wird auf ihr herumgeturnt, geschnuppert und manchmal legt sie ihren Kopf auf dem Bauch eines liegenden Kaninchens ab. Es ist zuckersüß!

Aber nicht nur für kuscheliges kann sich Krümel begeistern, auch sämtliche andere Lebewesen sind immer wieder ein Highlight. Und so einige Dinge würde sie tatsächlich nicht auf diese Weise erleben, wenn wir noch immer im vierten Stock eines Wohnblocks leben würden.

Die Ziegen, die wir morgens begrüßen, wenn es zur Tagesmutter geht.
Die Hähne, die in der Siedlung krähen.
Die Eichhörnchen, die in den Bäumen herumtollen. 
Die Fledermäuse, die in der Dämmerung über unserem Garten im Tiefflug unterwegs sind.
Die allgegenwärtigen Schnecken, die liebevoll zur Seite gesetzt werden 
um keinen Schaden zu nehmen.
Die Blindschleichen, die sich in abgelegenen Winkeln verstecken und 
mit "Hallo Schlange!" begrüßt werden.
Und ab und zu schaut auch mal eine große dicke Kröte vorbei.




Ich finde es wundervoll, meiner Tochter das Aufwachsen mit so vielen Tieren und Natureindrücken ermöglichen zu können. Ganz ohne "iiiiiiiiih!", sondern voll von "Was ist das?".
Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ein Kleinkind noch vor seinem zweiten Geburtstag Bienen, Wespen und Hummeln voneinander unterscheiden kann. Aber es ist tatsächlich möglich :p

Und so merke ich täglich wie ich mich immer mehr vom Stadtkind zum überzeugten Landei verwandle ;) Familienmomente lassen einen eben auch mal Dinge überdenken.

Kommentare:

  1. Moin, Du Liebe,

    und vielen Dank für Deine "Tier-Momente" ;) Supersüß, auch die ganzen schönen Bilder! Unsere Küstenkinder wachsen ebenfalls mit Tieren auf, das klappt richtig gut. Gerade die Katzen werden immer entzückt begrüßt, wenn sie ihre Nase zur Tür reinstecken :) Ich kann's nur empfehlen!

    Viele liebe Grüße
    Küstenmami

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  2. Kinder und Tiere sind immer besonders süß :) Die Fotos finde ich auch toll!!!
    Ganz liebe Grüße,
    Nätty

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  3. Wundervoll! Ich finde es wertvoll,wenn Kinder so aufwachsen können. Auch wenn ich nicht ganz auf dem Land aufwachsen konnte,war ich trotzdem viel draussen,bei Tier und Natur. Und auch wir sind mit Haustieren (Hunde,Katzen) aufgewachsen und haben alle vier keine Allergien-ganz im Gegenteil :-)
    Liebe Grüsse Alizeti

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